Funktionär in der Jugendarbeit

Während meiner Zeit bei den Pfadfindern ergab es sich, dass ich Funktionen in Arbeitskreisen und Verbänden wahrnehmen durfte. Es war mir immer wichtig, die Gruppenstunden regelmäßig zu leiten. Die Welt, die sich mir eröffnete, machte ich auch meinen Kameraden zugänglich.

Als kirchlicher «Funktionär» verfügte ich über eine breitere Auswahl an Veranstaltungen, und als Multiplikator in der Jugendarbeit konnte ich an einigen Reisen teilnehmen.

  • Sowjetunion 1979
  • Kenia 1980
  • Philippinen 1981
  • Mexiko 1982.

Die Reisen beeindruckten mich sehr. Mit Zeitungsaustragen hatte ich das Geld zusammengespart. Vorbereitungs- und Nachmittagstreffen hatten stattgefunden, wir hatten dafür Lieder geübt und uns auf die bevorstehenden Reisen eingestellt. Schliesslich begaben wir uns als Vertreter der kirchlichen Jugendarbeit auf unsere Reisen. Einflüsse hinsichtlich späteren Arbeiten in Verbänden und in der Pfarrei waren erwünscht.

Zu jeder dieser Reisen werden Erinnerungen wach, waren es doch besondere Erlebnisse mit Menschen. Das touristische Programm interessierte mich weniger, obwohl dieses meist hervorragend organisiert war.

Was ich da lernte, gebe ich gerne weiter.

Skandal, Kirche zeigt sich weitgehend ahnungslos

Unter den Missbrauchsvorwürfen leidet die gesamte christliche Kirche, vor allem, weil seitens der Amtskirche über diese Verbrechen seltener öffentlich gesprochen wird, sogar durch Behinderung der Justiz Ermittlungen erschwert werden. Menschen sexuell einzuengen bereitet alles andere als Sinn, darüber ist sich wohl jeder im Klaren. Heute schlagen sich die Menschen, welche keinem kirchlichen Amt nachgehen, wegen solcherlei Missbräuche oft die Hände über dem Kopf zusammen. Vielleicht noch in fünfzig Jahren werden diese Verbrechen vorgeworfen. Auch weil die Kirche lange lieber geschwiegen hat anstatt zu handeln.

Anderseits wird durch Erzählungen und Medien ein teils überrissenes und teilweise komplett falsches Bild über die Kirche vermittelt. Papst Johannes Paul II hat sich überdies für die Verbrechen der Kirche entschuldigt, ohne aber den historischen Kontext zu nennen. Sicherlich, allein mit Entschuldigungen ist noch nichts aus der Welt geschaffen.

Ferner haben Theologen in einem grossen Projekt historische Begebenheiten bezüglich christlicher Kirchen erforscht. Die daraus resultierenden Erkenntnisse hat die Amtskirche jedoch nicht angekommen.
Überdies habe ich bis jetzt noch keinen Pfarrer getroffen, der dieses Buch kennt.
Hier; Dr. Manfred Lütz «Der Skandal»

Die Kirchengeschichte ist anhand vieler historischer Dokumente belegt. Vielleicht ist es aber besser für die Amtskirche, sich gar nicht auf die vielen Anschuldigungen einzulassen und stattdessen lediglich deutlich und reuevoll um Vergebung zu bitten.

Die scheinheiligen Vaganten – fiel mir vor lauter Wut nur ein

Ich wohnte lange im Wohnhaus einer kirchlichen Organisation. Nun wurde das Haus saniert, allen gekündigt. Meiner Meinung nach übertrieben, das Haus befand sich in einem guten Zustand. Vor Gericht stritt ich um meinen Wiedereinzug und indirekt um jenen der anderen Gekündigten.

Als Kompromiss sollte ich auf eine neue Hausordnung eingehen; Geschlechtertrennung und Besuchsverbot nach 20 Uhr. Dies empfand ich als Witz in Anbetracht meiner fortgeschrittenen Mündigkeit und höheren Altersstufe. So rutschte ich schliesslich doch noch in eine wohnungslose Situation. Denn kurzfristig konnte ich mit meinem damaligen Budget wirklich nichts finden. Diverse Hilfsorganisationen zeigten hierfür ebenso kein Interesse. «Friss oder stirb,» dieser oder zumindest ein ähnlicher Leitspruch schien auch die Mietschlichtung zu vertreten.

Nun die Geschichte der anderen Seite beleuchtet: Die besagte Kirche als größerer Hausbesitzer überließ die Verwaltung ihrer Liegenschaften anderen. Rein marktorientiert handelten nun Immobiliengesellschaften. Da gilt «die Mietguillotine»; sollte ein Mieter mehr als ein Drittel seines Budgets für seine Wohnungsmiete aufbringen, entsteht kein Vertrag. Dass ich hiermit für Zwischenmieten und Hotels reichlich mehr zahlen musste, störte nicht.

Schnell einmal kann nahezu jeder unterstandslos werden. Aber es kann dann durchaus sein, dass keine Hilfe seitens Kirchen zu erwarten ist. Die schönen Wohnungen in Pfarr- oder Mietshäusern, die durch Legate erworben werden, gehen an Betuchte. Meine Botschaft an die Pfarreimitglieder: «Wo kommen wir da hin?» Ihre Antwort: «Wir zeigen Ihnen, wie Sie im Internet suchen können!»

Eine kirchliche Organisation zurechtweisen geht gar nicht. Mir erwies diese Erfahrung zwar die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Ich musste leider aber auch ein Leben leben, das keineswegs wünschenswert ist. Und daran können einige Kirchen nichts ändern, so wie die Verfassung dieser Kirchen heute eben ist.

Der Spion des Papstes

Einen meiner Freunde nenne ich Spion des Papstes. Stets fragt er mich, wann ich in die Kirche gehe und erzählt mir Neuigkeiten aus dem Vatikan. Als ehemaliger Schweizergardist weiß er einiges über die Kirche zu berichten und pflegt einen engen Kontakt zur Schweizergarde.

Die Mitglieder der Schweizergarde erhalten umfassende Einblicke in das kirchliche Leben. «Kirche dient der geistlichen und mystischen Nahrung, sie verweltlichen zu wollen, bereitet keinerlei Sinn,» so mein Freund. Er meint, dass meine Probleme Kleinigkeiten sind. Wählte ich einen Weg des Friedens, würde mir Gott helfen.

Was aber tun bei Ungerechtigkeiten? Zudem werden Fortschritte oft nur durch Konflikte angestoßen. Wie war es zu jener Zeit, als der Glaube alles bestimmte? Da prägte Hunger den Alltag fast aller Menschen. Viele weitere Fragen schießen mir durch den Kopf, wir reden und reden…

Ich unterhalte mich gerne mit diesem «Spion des Papstes». Unsere Gespräche verlaufen humorvoll. Immerwährend Ruhe und Haltung zu bewahren, lernte er bei der Schweizergarde.

Nonnen, Mission, Mädchenpensionate

Hinsichtlich meiner Familie väterlicherseits, wo meine Grossmutter einen armen Arbeiter geheiratet hatte, waren Schwestern meiner Grossmutter ins Kloster eingetreten. Vielleicht auch, um das Erbe meiner Grossmutter nicht zu schmälern. Sie, also meine Großtanten konnten jedoch ihre Erfüllung im Kloster finden.

Immer wieder traf ich meine Grosstanten in meiner Kindheit. Engagierte Nonnen, die sich für ein besseres Leben anderer einsetzten. Eine Grosstante wirkte in Formasa, dem heutigen Taiwan als Missionarin. Sie schickte mir reichlich viele geschmackvolle Briefmarken und einmal ein grosses Plakat mit eingeschweißten Schmetterlingen. Schmetterlinge prägten mein Leben, und dies fortwährend. «Wenn ich daran denke, wieviel Schönheit in einer gefrässigen Raupe steckt!»

Zwei andere Grosstanten arbeiteten in Mädchenpensionaten. Dort konnte ich als Jugendlicher heimlich von vielen schönen Mädchen träumen. Sie durften kaum mit mir reden, und abends wurde ich vor ihnen versteckt. «Irgendwie eine bedrückende Situation.» Auch heute gilt in der Kirche noch unsinnige Geschlechtertrennung.

Was ich von den Grosstanten lernte ist Engagement. Wir verbrachten eine sehr lustige Zeit miteinander. Schwer fiel es mir, Ruhe im Gebet zu finden. Mein Weg ohne meine Grosstanten wäre anders verlaufen.