Gastfreundschaft für Pilger

Pilgerstätte irgendwo

Die Pilgerherbergen auf dem spanischen Jakobsweg sind gratis, in der Schweiz muss bezahlt werden. In der Schweiz sind die Schlafräume übersichtlich, die Sanitäranlagen sauber und das Frühstück reichhaltig. Das kostet freilich Geld, daher verlangen die Pilgerherbergen für die Übernachtung Geld.

Vielleicht ein Widerspruch zu irgend einem nicht zu unterschätzenden Aspekt der Gastfreundschaft – oder gar zu jenem christlichen Glaubenssatz über das Erbarmen, wonach man nach Möglichkeit wirklich jedem Menschen helfen sollte? Doch auch schon früher kostete das Pilgern Geld, allerdings barg es viel höhere Risiken.

Die Pilger konnten damals weniger Unterkünfte finden und mussten gar vor Räubern auf der Hut sein. Geriet jemand in Not, so konnten die Daheimgebliebenen niemals umgehend helfen, also konnte plötzlich auch der Geldbeutel für eine Unterkunft fehlen. Heute sind solche Bezahlungen sofort mittels Online-Überweisungen verfügbar. 

In einer Pilgerherberge habe ich über das Frühstück gesprochen, und ob etwas als Wegzehrung mitgenommen werden dürfe: Tee gern, aber Brote vorzubereiten, sei ungern gesehen. Unterwegs gebe es doch genügend Möglichkeiten zur Einkehr. Eine feine und richtige Mahlzeit stärke den Pilger zudem. Diese schöne Erklärungen hat mir sofort eingeleuchtet.

Reisende und Pilger können heutzutage kaum ohne Geld losziehen. In unserem Wirtschaftssystem muss nun einmal bezahlt werden. In der Schweiz hat sich die Kirche diesem System unterordnen müssen. Das Schöne für jeden Pilger daran mag wohl sein, dass gemeinsames Essen wirklich Freude bereitet. Ich zahle bereitwillig auch Fahrtkosten für so eine Reise.  

Pilgerziele auf dem Jakobsweg Schweiz

ein wunderbares Quartier auf dem Jakobsweg

Pilgerziele in der Schweiz

Pilgerreisen bedingen eine aufmunternde, kräftigende, ja manchmal meditative Art zu wandern. Ein religiöses Motiv spielt keine Hauptrolle mehr. Sondern vielmehr sich die Zeit zu nehmen, sich an der Natur und Begegnungen zu erfreuen. An den wunderschönen Kirchen entlangzugehen, ergibt einen Höhepunkt jeder Pilgerreise. Auch passende Übernachtungsmöglichkeiten sind auffallend leicht zu finden.

Eine Tagesstrecke sollte zirka 20 km ausmachen, diese durchwegs zu Fuß und lediglich mit den nötigsten Utensilien ausgestattet. Pilgern bedeutet diese Reise, einfach zu wandern. Smartphones scheinen hierbei praktisch zu sein, doch können diese leicht ablenken und sollten möglichst selten genutzt werden. Karten bewähren sich hierzu besser in Papierform. Für die Pilgerwanderung werden in der Schweiz Pilgerpässe ausgegeben, die den Pilgern günstige Übernachtungen ermöglichen. 

Bei einem Ausflug zu den Blumenreisen sind wir in Rapperswil auf den Jakobsweg getroffen.

Wir bereiten Ihnen gerne eine Reise vor. Im Internet eine einwandfreie Quelle;

Schweizer Jakobsweg

Nachfolgend ein paar schöne Destinationen in der Schweiz:

Kloster Fischingen

Das wunderschöne Kloster Fischingen habe ich an einem Sonntag inspiziert. Wahrscheinlich wird sich nahezu jeder Pilger sofort in dessen Klosterbiergarten niederlassen und sich am hauseigenen und erfrischenden «Pilgerbier» erfreuen.

Das Pilgerbier wird nach überlieferten Rezepten aus der Brautradition der frühen Mönche und mit dem Klosterwasser von Pilgrim gebraut. 

Dieses Wasser wirkt als verbindendes Element jener zwei Welten, die die Klosteranlage vereint: die säkulare Welt mit Seminarhotel, Schreinerei, Brauerei und Schulbetrieb sowie die klerikale Welt der Benediktinergemeinschaft. 

Die Benediktiner leben in den schlichten aber schönen barocken Gemäuern. Ist der Durst eines Pilgers einmal gelöscht, werden seine Füße in der Idda-Kapelle verwöhnt, eine anmutige Kapelle im Barock- und Rokokostil. Einmal die Füße durch die Öffnung am Sarkophag der Heiligen Idda von Toggenburg gestreckt, und die Blasen verschwinden.

Im Klosterladen finden sich lokale Produkte, lesenswerte Bücher und selbstverständlich das Pilgerbier.

Das Hotel offeriert den Pilgern eine günstige Übernachtungsgelegenheit in Mehrbettzimmern mit reichhaltigem Frühstück, um sich gestärkt auf den Pilgerweg aufzumachen. Auf meinem Besuch im Juni 2023 ist ein Preis von CHF 45,- genannt worden.

Kartause Ittingen

Das ehemalige Kartäuserkloster Ittingen in der Nähe von Frauenfeld liegt leicht erhöht zwischen Rebbergen. Bis 1848 zogen sich hier Kartäusermönche zurück und konnten so ungestört ihren Alltag leben. Noch heute ist die sakrale Stimmung längst vergangener Zeiten spürbar. Zwischen den Klostermauern sind heute das Kunstmuseum Thurgau, ein Hotel, ein Hofladen und ein Restaurant untergebracht. Letzteres wird ganz im Sinne der klösterlichen Tradition der Selbstversorgung geführt und tischt Frisches aus eigener Käserei, Metzgerei, Bäckerei, der Fischzucht und dem Weinkeller auf. Überdies wächst in den paradiesischen Klostergärten reichlich Willkommenes, unter anderem der Hopfen.

Kloster St. Petersinsel

Jean Jacques Rousseau lebte auf der Petersinsel. «Ich halte diese zwei Monate für meine glücklichste Zeit – so glücklich, dass es für mein Erdendasein gereicht hätte», schrieb der Genfer Philosoph. Wir haben auch seine Wirkungsstätte in Môtiers besucht.


Das Kloster wurde im 11. Jahrhundert gegründet und bis ins frühe 16. Jahrhundert von Mönchen bewohnt. Die Bürgergemeinde Bern übernahm es und richtete schon bald erste Gästezimmer ein. Heute ist das Klosterhotel eines der schönsten historischen Hotels der Schweiz. Im Sommer laden zahlreiche versteckte Sandbuchten zum Baden ein. Auch wachsen dort feine Früchte insbesondere Trauben, woraus ein unverkennbar köstlicher Wein entsteht.

Kloster Mariastein

Es liegt südlich vor Basel und zieht jährlich Tausende von Pilgern an. Herzstück der Wallfahrten ist die in einer Felsengrotte versteckt liegende Gnadenkapelle. Ihre Legende erzählt: Ein Hirtenjunge hielt mit seiner Mutter in einer Höhle Mittagsrast. Während die Mutter schlief, schlich der Junge davon und stürzte über einen Felsen hinab. Mithilfe der Gottesmutter Maria überlebte er. Aus Dank errichtete der Vater des Jungen in der Höhle eine Kapelle.

Ein Missionar auf Abwegen

Ein Pater hat für die Armen eine Schule aufgebaut und Spenden für die Primarbildung eingesetzt. Ein redlicher Organisator und Prediger, jemand, der Menschen fair davon überzeugen kann, etwas mit Zeit oder Geld von Herzen beizusteuern. Er ist hingegen auch ein Mensch aus Fleisch und Blut, ein Mann mit Wunsch nach Zärtlichkeit. Lediglich geistlich auf Gott zu vertrauen, sei seiner Erfahrung nach schwierig für ihn – zu schwierig, um seiner Berufung zu folgen, sich Gott zu ergeben ohne sich selber zu schaden.

Mit einer jungen einheimischen Krankenschwester geht er schliesslich eine Beziehung ein, denn er ist verliebt und glücklich. Von seiner Stelle als Missionar muss er hingegen zurücktreten. Die Schule darf er behalten, die Gläubigen aus dem Ausland spenden daraufhin aber weniger. Nun kommerzialisiert er die Schule und ergänzt diese schliesslich mit einer Berufsschule. Denn Bildung lässt sich nicht mehr kostenlos genießen, dafür sind die Berufsaussichten besser.

Seine Familie wird aufgrund seiner Partnerschaft angefeindet. Ein Haus mit hohen Mauern muss her, um sich zu schützen. Seine Leistung für Schule, für den Mauerbau und als Lebenspartner ist beachtlich. Ich habe lange mit ihm sprechen können. Den Menschen im Sinne Christi zu helfen, sieht er weiterhin als seine Pflicht. Mein Fazit; ein einwandfreies Leben als Priester wird allmählich toleriert und schliesslich akzeptiert, wenn der fragliche Priester unerwartet geheiratet hat. Aber einem Schulleiter wird kaum etwas vergönnt. Obwohl der Bildungswettbewerb härter geworden ist. Diese Kombination macht es für einen Pater in zusätzlicher Funktion eines Schulleiters alles andere als einfach.

Ich bewundere diesen Missionar, der für die Kirche keiner mehr ist.

Predigt super, Handlung «heisse Luft»

Seine Predigen sind perfekt, nah am Zeitgeschehen, rhetorisch versiert, stimmgewaltig und emotional. Seinetwegen strömen die Leute in die Kirche. Sein Auftreten erntet Beifall, mit stimmiger Antwort zu allen Fragen wartet er auf.

Aber er schützt umfassend sein unterstützendes Umfeld und lässt daher Ungerechtigkeiten zu, traut sich nach Hinterfragungen gegenüber seiner Befürworter kaum zu agieren, beziehungsweise überlässt er hierzu die meiste Arbeit anderen. Seelsorgerische Gespräche mit ihm verlaufen schwierig, weil er zu sehr von sich überzeugt ist. Probleme der Gläubigen kann er kaum einschätzen. Auch gewiss deshalb umgibt er sich weitaus mehr mit seinem Kirchenrat und der Obrigkeit als mit herkömmlichen Kirchgängern.

Immer mehr Kritik fällt unter den Tisch. «Er kann doch so gut predigen!» Doch was bringt das? Strategisch geschickte Reden als Aufgabe der Kirche? Wo Seelenheil und Spiritualität? Freilich braucht ein Pfarrer etwas von beidem. Nur ein Redeschwinger und glänzender Repräsentant wird eher wahrgenommen und somit eher geschätzt als jener Pfarrer, der Schlichtheit, Stille und auf Augenhöhe die Nähe zu Menschen in Not sucht, sowie diese Augenhöhe auch gegenüber einfachen Zuständen anderer wahrnimmt.

In der Kirche arbeiten Menschen. Sollten wir nicht achtgeben, dass wir diese nach ihren Handlungen und nicht zu sehr nach ihren Worten beurteilen? «Doch, bestimmt sollten wir das.»

So stelle ich mir einen Nachfolger Christi vor

Er geht auf die Menschen zu, ruhig und verständnisvoll. Sein Pfarrhaus ist offen. Ein bescheidener Pfarrer, der hohe Empathie signalisiert. Danach ausgerichtet, den Menschen voll und ganz zuzuhören, und das mit all seinen Sinnen.

Trifft er in der Stadt andere an, fragt er immer, wie es ihnen geht. Dies gleich in Hinblick auf ihre Familie, Arbeit und Freizeit. Denn allen soll die Gelegenheit überlassen bleiben, ein wenig über sich zu plaudern.

Die Messe führt er ruhig und besinnlich, dennoch spricht er die aktuellen Probleme und Herausforderungen an. Anschließend lädt er ins Pfarreiheim ein. Dort begrüßt er jeden und bleibt solange, bis es alle verlassen haben. Seinen Mitarbeitern überlässt er Freiraum und Mitsprache, bei deren Wahl er gewissenhaft und wohlüberlegt vorgeht.

Ich musste einige Abdankungen miterleben. Ein davon betroffener Pfarrer begab sich zu den Menschen nach Hause. Gottes Gegenwart ist zu Hause bei den Menschen, eigentlich immer wieder überall im Alltag; manchmal fragte ich mich hingegen, ob er in diversen Kirchgemeinschaften weniger wirkt als in den Gässchen einer Stadt, und ob seine Gegenwart in diesen Kirchen manchmal unerwünschter und deshalb weniger präsent ist. Der fragliche Pfarrer ist von Repressalien betroffen, steht für andere Nachfolger Christi und geht alles anders an als der glänzende Prediger im folgenden Beitrag.
Priester als Prediger

Meine Zeit als Pfadfinder

Sowohl meine Kind- und Jugendzeit als auch Zeit als junger Erwachsener verbrachte ich bei den Pfadfindern. Es war schön damals, oft in der Natur und mit gemeinsamem Zeltlager-Leben. Zahlreiche Begegnungen und lange Nächte am Lagerfeuer säumten diesen Weg. Ich lernte vieles.

Wegzeichen legten wir, damit unsere Freunde uns folgen konnten; erst heute ist mir diese Symbolik klar. Denken wir auf unseren Reisen an Wegzeichen? Achten wir wirklich auf die Wege, die wir beschreiten? Eher nicht, zu oft werden Sehenswürdigkeiten abgespult. Wie oft halte ich mich noch in der Natur auf, nur so, mit Schlafsack? Ich schaffe das nicht mehr, bin zu bequem geworden.

Heute denke ich gerne an diese Zeit zurück. Viel habe ich den Pfadfindern zu verdanken, Freundschaften schloss ich, tolle Menschen lernte ich kennen, zig herrliche Abende erlebte ich, und lernte bei allen Problemen immer eine Lösung zu finden.

In dieser Zeit engagierte ich mich stark für die Kirche, akzeptierte Entscheidungen, die anders hätten sein können. So durften wir niemals eine bestimmte Jugendarbeiterin als geistlichen Beistand ernennen, auf Druck eines Pfarrers hin lehnte sie eine möglichen Wahlbeteiligung immerzu ab. Ferner verbot ein katholischer Pfarrer unser Vorhaben des Aufbaus einer Pfadfindergruppe anhand einer gewissen Konkurrenz zur Kolpingjugend. Wir bauten die Gruppe schliesslich mit einem evangelischen Pfarrer auf, da war jegliche Konfession für uns unwichtig.

Dennoch, die Begeisterung und das Verfolgen gemeinsamer Ziele überwog deutlich, und ich bin stolz auf jene Zeit, auf die zahlreichen Lager, Bildungswochenenden und Kirchentage.

Funktionär in der Jugendarbeit

Während meiner Zeit bei den Pfadfindern ergab es sich, dass ich Funktionen in Arbeitskreisen und Verbänden wahrnehmen durfte. Es war mir immer wichtig, die Gruppenstunden regelmäßig zu leiten. Die Welt, die sich mir eröffnete, machte ich auch meinen Kameraden zugänglich.

Als kirchlicher «Funktionär» verfügte ich über eine breitere Auswahl an Veranstaltungen, und als Multiplikator in der Jugendarbeit konnte ich an einigen Reisen teilnehmen.

  • Sowjetunion 1979
  • Kenia 1980
  • Philippinen 1981
  • Mexiko 1982.

Die Reisen beeindruckten mich sehr. Mit Zeitungsaustragen hatte ich das Geld zusammengespart. Vorbereitungs- und Nachmittagstreffen hatten stattgefunden, wir hatten dafür Lieder geübt und uns auf die bevorstehenden Reisen eingestellt. Schliesslich begaben wir uns als Vertreter der kirchlichen Jugendarbeit auf unsere Reisen. Einflüsse hinsichtlich späteren Arbeiten in Verbänden und in der Pfarrei waren erwünscht.

Zu jeder dieser Reisen werden Erinnerungen wach, waren es doch besondere Erlebnisse mit Menschen. Das touristische Programm interessierte mich weniger, obwohl dieses meist hervorragend organisiert war.

Was ich da lernte, gebe ich gerne weiter.

Skandal, Kirche zeigt sich weitgehend ahnungslos

Unter den Missbrauchsvorwürfen leidet die gesamte christliche Kirche, vor allem, weil seitens der Amtskirche über diese Verbrechen seltener öffentlich gesprochen wird, sogar durch Behinderung der Justiz Ermittlungen erschwert werden. Menschen sexuell einzuengen bereitet alles andere als Sinn, darüber ist sich wohl jeder im Klaren. Heute schlagen sich die Menschen, welche keinem kirchlichen Amt nachgehen, wegen solcherlei Missbräuche oft die Hände über dem Kopf zusammen. Vielleicht noch in fünfzig Jahren werden diese Verbrechen vorgeworfen. Auch weil die Kirche lange lieber geschwiegen hat anstatt zu handeln.

Anderseits wird durch Erzählungen und Medien ein teils überrissenes und teilweise komplett falsches Bild über die Kirche vermittelt. Papst Johannes Paul II hat sich überdies für die Verbrechen der Kirche entschuldigt, ohne aber den historischen Kontext zu nennen. Sicherlich, allein mit Entschuldigungen ist noch nichts aus der Welt geschaffen.

Ferner haben Theologen in einem grossen Projekt historische Begebenheiten bezüglich christlicher Kirchen erforscht. Die daraus resultierenden Erkenntnisse hat die Amtskirche jedoch nicht angekommen.
Überdies habe ich bis jetzt noch keinen Pfarrer getroffen, der dieses Buch kennt.
Hier; Dr. Manfred Lütz «Der Skandal»

Die Kirchengeschichte ist anhand vieler historischer Dokumente belegt. Vielleicht ist es aber besser für die Amtskirche, sich gar nicht auf die vielen Anschuldigungen einzulassen und stattdessen lediglich deutlich und reuevoll um Vergebung zu bitten.

Die scheinheiligen Vaganten – fiel mir vor lauter Wut nur ein

Ich wohnte lange im Wohnhaus einer kirchlichen Organisation. Nun wurde das Haus saniert, allen gekündigt. Meiner Meinung nach übertrieben, das Haus befand sich in einem guten Zustand. Vor Gericht stritt ich um meinen Wiedereinzug und indirekt um jenen der anderen Gekündigten.

Als Kompromiss sollte ich auf eine neue Hausordnung eingehen; Geschlechtertrennung und Besuchsverbot nach 20 Uhr. Dies empfand ich als Witz in Anbetracht meiner fortgeschrittenen Mündigkeit und höheren Altersstufe. So rutschte ich schliesslich doch noch in eine wohnungslose Situation. Denn kurzfristig konnte ich mit meinem damaligen Budget wirklich nichts finden. Diverse Hilfsorganisationen zeigten hierfür ebenso kein Interesse. «Friss oder stirb,» dieser oder zumindest ein ähnlicher Leitspruch schien auch die Mietschlichtung zu vertreten.

Nun die Geschichte der anderen Seite beleuchtet: Die besagte Kirche als größerer Hausbesitzer überließ die Verwaltung ihrer Liegenschaften anderen. Rein marktorientiert handelten nun Immobiliengesellschaften. Da gilt «die Mietguillotine»; sollte ein Mieter mehr als ein Drittel seines Budgets für seine Wohnungsmiete aufbringen, entsteht kein Vertrag. Dass ich hiermit für Zwischenmieten und Hotels reichlich mehr zahlen musste, störte nicht.

Schnell einmal kann nahezu jeder unterstandslos werden. Aber es kann dann durchaus sein, dass keine Hilfe seitens Kirchen zu erwarten ist. Die schönen Wohnungen in Pfarr- oder Mietshäusern, die durch Legate erworben werden, gehen an Betuchte. Meine Botschaft an die Pfarreimitglieder: «Wo kommen wir da hin?» Ihre Antwort: «Wir zeigen Ihnen, wie Sie im Internet suchen können!»

Eine kirchliche Organisation zurechtweisen geht gar nicht. Mir erwies diese Erfahrung zwar die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Ich musste leider aber auch ein Leben leben, das keineswegs wünschenswert ist. Und daran können einige Kirchen nichts ändern, so wie die Verfassung dieser Kirchen heute eben ist.

Der Spion des Papstes

Einen meiner Freunde nenne ich Spion des Papstes. Stets fragt er mich, wann ich in die Kirche gehe und erzählt mir Neuigkeiten aus dem Vatikan. Als ehemaliger Schweizergardist weiß er einiges über die Kirche zu berichten und pflegt einen engen Kontakt zur Schweizergarde.

Die Mitglieder der Schweizergarde erhalten umfassende Einblicke in das kirchliche Leben. «Kirche dient der geistlichen und mystischen Nahrung, sie verweltlichen zu wollen, bereitet keinerlei Sinn,» so mein Freund. Er meint, dass meine Probleme Kleinigkeiten sind. Wählte ich einen Weg des Friedens, würde mir Gott helfen.

Was aber tun bei Ungerechtigkeiten? Zudem werden Fortschritte oft nur durch Konflikte angestoßen. Wie war es zu jener Zeit, als der Glaube alles bestimmte? Da prägte Hunger den Alltag fast aller Menschen. Viele weitere Fragen schießen mir durch den Kopf, wir reden und reden…

Ich unterhalte mich gerne mit diesem «Spion des Papstes». Unsere Gespräche verlaufen humorvoll. Immerwährend Ruhe und Haltung zu bewahren, lernte er bei der Schweizergarde.