Meine Zeit als Pfadfinder

Sowohl meine Kind- und Jugendzeit als auch Zeit als junger Erwachsener verbrachte ich bei den Pfadfindern. Es war schön damals – oft in der Natur und mit gemeinsamem Zeltlager-Leben. Zahlreiche Begegnungen und lange Nächte am Lagerfeuer säumten diesen Weg. Ich lernte vieles.

Wegzeichen legten wir, damit unsere Freunde uns folgen konnten; erst heute ist mir die Bedeutung dieser Symbolik klar geworden. Denken wir auf unseren Reisen an Wegzeichen? Achten wir wirklich auf die Wege, die wir beschreiten? Eher nicht, was mein Umfeld und mich angeht, werden zu oft Sehenswürdigkeiten abgespult. Wie oft halte ich mich noch in der Natur auf, nur so, mit Schlafsack? Ich schaffe das nicht mehr, bin zu bequem geworden.

Heute denke ich gerne an diese Zeit zurück. Viel habe ich den Pfadfindern zu verdanken, Freundschaften schloss ich, tolle Menschen lernte ich kennen, zig herrliche Abende erlebte ich, und lernte bei allen Problemen immer eine Lösung zu finden.

In dieser Zeit engagierte ich mich stark für die Kirche, akzeptierte Entscheidungen, die anders hätten sein können. So durften wir niemals eine bestimmte Jugendarbeiterin als geistlichen Beistand ernennen, auf Druck eines Pfarrers hin lehnte sie eine möglichen Wahlbeteiligung immerzu ab. Ferner verbot ein katholischer Pfarrer unser Vorhaben des Aufbaus einer Pfadfindergruppe anhand einer gewissen Konkurrenz zur Kolpingjugend. Wir bauten die Gruppe schliesslich mit einem evangelischen Pfarrer auf, da war jegliche Konfession für uns unwichtig.

Dennoch, die Begeisterung und das Verfolgen gemeinsamer Ziele überwog deutlich, und ich bin stolz auf jene Zeit, auf die zahlreichen Lager, Bildungswochenenden und Kirchentage.

Funktionär in der Jugendarbeit

Während meiner Zeit bei den Pfadfindern ergab es sich, dass ich Funktionen in Arbeitskreisen und Verbänden wahrnehmen durfte. Es war mir immer wichtig, die Gruppenstunden regelmäßig zu leiten. Die Welt, die sich mir eröffnete, machte ich auch meinen Kameraden zugänglich.

Als kirchlicher «Funktionär» verfügte ich über eine breitere Auswahl an Veranstaltungen, und als Multiplikator in der Jugendarbeit konnte ich an einigen Reisen teilnehmen.

  • Sowjetunion 1979
  • Kenia 1980
  • Philippinen 1981
  • Mexiko 1982.

Die Reisen beeindruckten mich sehr. Mit Zeitungsaustragen hatte ich das Geld zusammengespart. Vorbereitungs- und Nachmittagstreffen hatten stattgefunden, wir hatten dafür Lieder geübt und uns auf die bevorstehenden Reisen eingestellt. Schliesslich begaben wir uns als Vertreter der kirchlichen Jugendarbeit auf unsere Reisen. Einflüsse hinsichtlich späteren Arbeiten in Verbänden und in der Pfarrei waren erwünscht.

Zu jeder dieser Reisen werden Erinnerungen wach, waren es doch besondere Erlebnisse mit Menschen. Das touristische Programm interessierte mich weniger, obwohl dieses meist hervorragend organisiert war.

Was ich da lernte, gebe ich gerne weiter.

Die scheinheiligen Vaganten – fiel mir vor lauter Wut nur ein

Ich wohnte lange im Wohnhaus einer kirchlichen Organisation. Nun wurde das Haus saniert, allen gekündigt. Meiner Meinung nach übertrieben, das Haus befand sich in einem guten Zustand. Vor Gericht stritt ich um meinen Wiedereinzug und indirekt um jenen der anderen Gekündigten.

Als Kompromiss sollte ich auf eine neue Hausordnung eingehen; Geschlechtertrennung und Besuchsverbot nach 20 Uhr. Dies empfand ich als Witz in Anbetracht meiner fortgeschrittenen Mündigkeit und höheren Altersstufe. So rutschte ich schliesslich doch noch in eine wohnungslose Situation. Denn kurzfristig konnte ich mit meinem damaligen Budget wirklich nichts finden. Diverse Hilfsorganisationen zeigten hierfür ebenso kein Interesse. «Friss oder stirb,» dieser oder zumindest ein ähnlicher Leitspruch schien auch die Mietschlichtung zu vertreten.

Nun die Geschichte der anderen Seite beleuchtet: Die besagte Kirche als größerer Hausbesitzer überließ die Verwaltung ihrer Liegenschaften anderen. Rein marktorientiert handelten nun Immobiliengesellschaften. Da gilt «die Mietguillotine»; sollte ein Mieter mehr als ein Drittel seines Budgets für seine Wohnungsmiete aufbringen, entsteht kein Vertrag. Dass ich hiermit für Zwischenmieten und Hotels reichlich mehr zahlen musste, störte nicht.

Schnell einmal kann nahezu jeder unterstandslos werden. Aber es kann dann durchaus sein, dass keine Hilfe seitens Kirchen zu erwarten ist. Die schönen Wohnungen in Pfarr- oder Mietshäusern, die durch Legate erworben werden, gehen an Betuchte. Meine Botschaft an die Pfarreimitglieder: «Wo kommen wir da hin?» Ihre Antwort: «Wir zeigen Ihnen, wie Sie im Internet suchen können!»

Eine kirchliche Organisation zurechtweisen geht gar nicht. Mir erwies diese Erfahrung zwar die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Ich musste leider aber auch ein Leben leben, das keineswegs wünschenswert ist. Und daran können einige Kirchen nichts ändern, so wie die Verfassung dieser Kirchen heute eben ist.